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Im August 2018 passierte das Undenkbare: Die „Ponte Morandi“ in Genua stürzte ein. 43 Menschen kamen ums Leben. Nur zwei Jahre später ist der Neubau der Autobahnbrücke fertig.

Knapp zwei Jahre nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua feierte Italiens Staatsspitze den fertigen Neubau. Für den Festakt hatten sich die Ehrengäste auf der Fahrbahn hoch über der ligurischen Hafenstadt versammelt.

Die Zeremonie begann um 18.30 Uhr mit der Verlesung der Opfernamen, gefolgt von einer Schweigeminute und Reden. Schon vorher würdigten Politiker das Bauwerk als Signal für den Aufbruch des Landes, das von der Corona-Krise schwer gezeichnet ist.

Angehörige der 43 Todesopfer und Feuerwehrleute, die damals im Einsatz waren, wollten nicht zu der Feier kommen. Sie kritisieren, dass dieselbe Firma, die für die eingestürzte Brücke verantwortlich war, nun auch – zumindest anfangs – die Wartung des neuen Bauwerks übernehmen soll.

Brückeneinsturz in Genau

Beim Einsturz der alten vierspurigen Brücke am 14. August 2018 kamen 43 Menschen ums Leben. Autos und Lastwagen wurden in die Tiefe gerissen. Häuser unter der Brücke wurden beschädigt. Kurz nach dem Unglück wurde bekannt, dass die Betreiber offenbar jahrelang Hinweise auf eine Einsturzgefahr ignoriert hatten.

Die zerstörte Brücke von Genau. Rechts und links stehen noch Pfeiler, in der Mitte in die komlette Fahrbahn eingestürzt. (Foto: Imago, imago images / Xinhua)
Die Überreste der alten Brücke von Genau einen Tag nach dem Unglück im August 2018. Imago imago images / Xinhua

Brücke in Genua hat strategische Bedeutung

Die neue Brücke wurde in Rekordzeit gebaut. Selbst während des Corona-Lockdowns seien die Arbeiten weitergegangen, sagte Nicola Meistro. Er ist Manager eines Bauunternehmens. Er schätzt, dass unter normalen Bedingungen die Bauarbeiten zwei- bis dreimal länger gedauert hätten. Die Regierung habe die Arbeiten jedoch zu einem Projekt von strategischer Bedeutung erklärt.

Die kurze Bauzeit sei eine „wirklich beeindruckende Leistung, die die italienischen Brückenbauer vollbracht haben“, sagte Bauexperte Manfred Curbach in SWR3. Er ist Professor für Massivbau an der Technischen Universität Dresden. Möglich wurde das beispielsweise, weil viele Stahlteile vorproduziert wurden und mehrere hundert Bauarbeiter Tag und Nacht an der Brücke gearbeitet haben.

Schneller Bau, weniger Sicherheit?

Auf die Frage nach der Sicherheit der neue Brücke sagte Curbach, dass trotz der schnellen Fertigstellung keine Gefahr besteht. Denn viel könne vorher berechnet werden – und zwar mittlerweile ziemlich genau. In Genua wurde das abschließend auch mit Schwerlastfahrzeugen auf der Brücke überprüft.

In Deutschland dauert ein Brückenneubau in der Regel viele Jahre länger. Das liege aber an einem wesentlichen Unterschied: Es wird immer versucht, den kompletten Verkehr zu erhalten. Deswegen werden neue Brücken zunächst neben alten gebaut, die dann erst später abgerissen werden. Das sei viel aufwendiger, so Curbach.

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Neuer Name für Brücke in Genua

Entworfen wurde die neue Brücke in Genua vom italienischen Stararchitekten Renzo Piano. Das Bauwerk hat auch einen neuen Namen bekommen: „Ponte Genova San Giorgio“. Sie wurde nach einem Schutzheiligen der Stadt benannt. Der Verkehr soll voraussichtlich ab dem 5. August wieder über die Brücke rollen.

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