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Isabel Gebhardt (Foto: SWR3)

Die Schufa will in Zukunft offenbar Verbraucher auch anhand ihrer Kontoauszüge bewerten. Erste Tests laufen schon. Das Vorgehen sorgt für große Aufregung. Doch man kann den Zugriff aufs Konto verhindern.

Wer eine Wohnung mieten will oder einen Handyvertrag abschließen möchte, der wird meistens vorher von der Schufa gecheckt. Die Schufa ist Deutschlands größte Wirtschaftsauskunftei und schaut, ob derjenige, der den Vertrag abschließen möchte, Kredite hat oder ein Mahnverfahren läuft – denn dann könnte möglicherweise die Zahlungsfähigkeit nicht garantiert sein.

Jetzt will die Schufa ihr Prüfverfahren ändern. Künftig könnten sie auch einen Blick auf Kontoauszüge werfen. Das hat das Rechercheteam von NDR, WDR und SZ herausgefunden.

Was hat die Schufa vor?

Verbraucherinnen und Verbraucher sollen künftig anhand ihrer Kontoauszüge bewertet werden, erklärt das Rechercheteam-Mitglied Peter Hornung in SWR3. Was man dort sehe, könne in Kategorien eingeteilt werden: Gehalt, Miete, staatliche Leistungen, Unterhaltszahlungen, Urlaubsreisen und noch viel mehr. „Damit wollen sie Verbraucherbewertungen berechnen“, so Hornung und die könnten dann viel genauer sein als bisher.

Bisher weiß die Schufa nämlich nur, wie viele Konten, Kreditkarten oder Handyverträge jemand hat und ob es Mahnverfahren oder eine Privatinsolvenz gibt oder gab. „Wie viel Geld man am Monatsende übrig hat, das weiß die Schufa bisher eigentlich nicht“, so Hornung.

Schufa will Blick auf Kontoauszüge werfen

Doch das soll sich jetzt ändern: Die Schufa hat ein Projekt gestartet, um an die neuen Daten zu kommen. Das neue Produkt heißt „CheckNow“ und richtet sich an diejenigen, die einen schlechten „Score“ haben. Bei ihnen ist nach Einschätzung der Schufa also das Risiko erhöht, dass sie ihre Rechnungen nicht bezahlen können. Wer einen schlechten Schufa-Score hat, bekommt oftmals keine Mietwohnung, Kredite oder andere Verträge. Mit „CheckNow“ – so das Versprechen – will die Schufa den Betroffenen nun eine zweite Chance bieten.

Datenschützer warnen: Kann Nachteile für Betroffene haben

Erste Praxistest in Zusammenarbeit mit dem Telefonanbieter Telefonica/O2 laufen laut dem Rechercheteam schon. Neukunden können wohl teilweise das neue Prüfverfahren bei ihren Bestellungen auswählen.

Dafür muss bei den Datenschutzbestimmungen ein Haken gesetzt werden – unter anderem bei der Kontofreigabe. Doch das kann Folgen haben, warnt Hornung. „Es kann sein, dass sie dann sagen: Toll, was du am Ende des Monats übrig hast, das gibt ein Sternchen. Aber es kann wohl genauso sein, dass die Schufa-Bewertung, die man bisher hat, kräftig in den Keller rauscht.“ Auf dem Konto könne man ja beispielsweise sehen, ob jemand vom Dispo lebe oder Glücksspiele wie Fußballwetten mache. „Da sagt die Schufa in internen Veranstaltungen: Das ist ein Risikofaktor“, erklärt Hornung. Dann könne es sein, dass man keinen Vertrag oder Kredit bekomme.

Datenschützer warnen: Kann auch Folgen für Dritte haben

Auch Datenschützer warnen vor dem neuen Vorgehen der Schufa. „Ich mache mich da wirklich nackig“, so der frühere Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar. Darüber hinaus könne die Schufa auch an die Daten Dritter gelangen, die in Kontoauszügen auftauchen, warnt er gegenüber dem ARD-Magazin Panorama.

Vorsicht: Ein Häkchen mit Folgen

Das Ganze ist noch in der Projektphase. Die Schufa betonte, dass deshalb bisher keine Daten gespeichert würden – selbst wenn bei dem Test ein Häkchen gesetzt wurde. Trotzdem warnen Datenschützer vor dem Vorgehen.

„Man ist ja geneigt in den Datenschutzbestimmunen alles abzuklicken. So nach dem Motto: Wird schon stimmen, machen wir ja alle“, warnt auch Hornung. Da müsse man in Zukunft deutlich mehr aufpassen. „Damit man nicht mit einem kleinen Klick seine Kontoauszüge preis gibt – und damit einen großen Teil seines Leben.“

Kommt die Kontoauszugsprüfung für alle?

Die neue Dienstleistung wird derzeit vom zuständigen Bayerischen Landesamt für Datenschutzaufsicht auf ihre Zulässigkeit geprüft. Wann und ob sie in der geplanten Form von der Schufa umgesetzt wird, ist derzeit noch unklar.

Tenhagen: Ein Finanzdienstleister sollte nicht alle Schufa-Daten haben

Der Chefredakteur von Finanztip, Hermann-Josef Tenhagen sieht darüber hinaus noch weitere Nachteile. Seiner Meinung nach könnten die Daten für Vermarktungsstrategien genutzt werden: „Es ist dann ein bisschen wie bei Amazon. Menschen, die montags morgens immer Geld für Sport ausgeben, geben dienstags immer Geld für Turnschuhe aus. Das wäre besonders interessant für Addidas oder Puma.“

Wenn man dann noch zusätzlich erkennen könne, wann Menschen in finanziellen Schwierigkeiten steckten, führe dies möglicherweise noch stärker zu Pauschal-Bewertungen nach dem Motto: „alle Menschen die montags früh um neun Uhr Sport machen, haben freitags nachmittags immer zu wenig Geld auf dem Konto, und deswegen sollten wir mit denen keine Geschäfte machen“, so Tenhagen.

Der Finanztip-Chefredakteur rät deshalb dazu sich in dieser Hinsicht zwei wichtige Fragen zu stellen. „Erstens: wollen wir, dass ein Finanzdienstleister, in diesem Fall die Schufa, diese Daten von allen Menschen hat? Ich würde sagen nein. Und zweitens: beschäftigen wir uns genug damit, wem wir wo welche Daten geben? Ebenfalls nein. Wir haben jetzt gerade Black Friday und Amazon weiß über das Ausgabeverhalten von vielen Millionen Bundesbürgern wahrscheinlich mehr als deren Hausbank und sicher mehr als die Schufa“, so Tenhagen.

Mehr zum Thema am 26. November um 22:15 Uhr im ARD-Magazin „Panorama“

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