Einer der größten Künstler in der Geschichte des Souls ist und bleibt MARVIN GAYE. Marvin Pentz Gay Junior kommt am 02.04.1939 in Washington D.C. als Sohn eines apostolischen Pfarrers auf die Welt. Seine Kindheit ist nicht gerade rosig, handelt es sich bei seinem Vater doch um einen zutiefst religiösen und jähzornigen Menschen.

Zuerst in einer Doo-Wop-Gruppe "Moonglows" aktiv, um sich finanziell über Wasser zu halten, zieht er bald nach Detroit. Für das angehende Monstersoul-Label Motown arbeitet er als Schlagzeuger für Smokey Robinson und den jungen Stevie Wonder - aber auch als Songschreiber ist er zum Beispiel an Martha & The Vandellas Hit "Dancing In The Streets" beteiligt.

1961 bekommt er den ersehnten Vertrag als Solokünstler. Ein Jahr später folgt sein erster Hit "Stubborn Kind Of Fellow". Die nachfolgenden Hits wie "Pride And Joy" und "Ain't That Peculiar" sorgen dafür, dass er schnell zum erfolgreichsten Zugpferd von Motown wird. Seine Alben verkaufen sich prächtig, das Image eines Womanizers beginnt sich ihm anzuhaften. Es folgt die Phase der schmelzigen Soulduette mit Tophits à la "You're All I Need To Get By". Die wohl Innigste dieser musikalischen Partnerschaften ist die mit Tammi Terrell, der nicht nur dieser Song von 1968 entspringt.

Marvin Gaye entwickelt sich Ende der Sechziger stetig weiter. Gegenüber seinen ersten Hits hat er mittlerweile die Kurve zu fett instrumentiertem, ausgetüftelterem Soul genommen. 1971 erscheint das erste Konzeptalbum Motowns. Gaye befasst sich auf "What's Going On" mit dem Krieg in Vietnam, Umweltverschmutzung, Rassismus und Armut. Die Platte wird sein meistverkauftes Album – es trifft den Zeitgeist punktgenau. Auf der nachfolgenden Platte "Let's Get It On" (1973) geht es dann wieder um puren Sex, auch dies verkauft in immensen Stückzahlen.

Im krassen Gegensatz zu seinem Erfolg steht Marvins Seelenleben. Tammi Terrell kollabiert 1970 auf der Bühne in seinen Armen und stirbt mit 24 an einem Hirntumor. Marvin leidet. Er wird schwer kokainabhängig und tritt kaum noch öffentlich auf. Marvin verbringt die nächsten Jahre in Europa, in der Hoffnung seine mittlerweile völlig instabile psychische Verfassung zu retten.

Doch sein Zustand verbessert sich nicht mehr, er leidet an schweren Depressionen, spielt mit Selbstmordgedanken und bekommt seine Sucht nicht mehr in den Griff. Das Ende ist traurig. In einem eskalierenden Streit (es geht wohl um Geldzahlungen) wird MARVIN GAYE am 1. April 1984 in L.A. von seinem Vater erschossen.